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Betriebliches Gesundheitsmanagement: Eine Investition mit garantierter Rendite




Folgender Satz aus dem Buch „Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz“ bringt es auf den Punkt:

„In einer Arbeitswelt, in der der Altersdurchschnitt deutlich höher liegt als noch vor wenigen Jahren, in der hoch qualifizierte Fachkräfte zukünftig zur Mangelware werden und die Arbeitsdichte kontinuierlich zunimmt, ist die Investition in Bildung und Gesundheit die einzige Investition mit garantierter Rendite“ (1).


Gute Gründe für betriebliches Gesundheitsmanagement

Die wichtigste Aufgabe des betrieblichen Gesundheitsmanagements stellt die Vermeidung von krankheitsbedingten Fehlzeiten dar.

Die 2016 veröffentlichten Zahlen der Techniker Krankenkasse zeigen, dass seit dem ersten Beobachtungsjahr 2000 keine höheren Fehlzeiten als im Jahr 2015 erfasst wurden. Von 2006 bis 2015 haben die Fehlzeiten um 34,9 % zugenommen (2).

Eine Auswertung der BKK verzeichnet rund 16 Arbeitsunfähigkeitstage pro beschäftigtes BKK Mitglied (3). Einen wesentlichen Einfluss auf die Fehlzeiten üben Alter und Geschlecht aus.

So zeigen die Daten der Sozialversicherungsträger, dass ältere Beschäftigte zwar weniger oft, aber dafür länger krank sind. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist dies ein sehr wichtiger Punkt für das betriebliche Gesundheitsmanagement. Das Angebot qualifizierter Nachwuchskräfte sinkt und der Bedarf dem, durch die Alterung der Arbeitskräfte, drohenden Anstieg von Fehlzeiten entgegenzuwirken, steigt.

Die Unternehmen sehen sich zunehmend mit großen Problemen konfrontiert und haben einige Herausforderungen zu meistern. Dennoch zögern immer noch viele Firmen beim Aufbau eines nachhaltigen betrieblichen Gesundheitsmanagements oder auch nur mit der Durchführung einzelner Maßnahmen. Als Gründe werden häufig mangelndes Budget, keine Zeit und zu hohe Kosten genannt. Doch ist diese Einschätzung tatsächlich richtig?


Kosten und Nutzen von betrieblichem Gesundheitsmanagement

Gesundheitsprogramme am Arbeitsplatz senken nachweislich die Fehlzeiten und führen somit zu einer erheblichen Kosteneinsparung. Dies belegt unter anderem die eindrucksvolle Evaluation von Chapman et. al. zum ökonomischen Nutzen. In der Bilanz führen Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu einer Kostensenkung von durchschnittlich 25% (4).

Das überaus positive Kosten-Nutzen-Verhältnis bestätigen auch andere Studien. Der iga .Report 28 zeigt, dass mit jedem investierten Euro 2,70 € durch reduzierte Fehlzeiten eingespart werden können (5).

Von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung profitieren sowohl die Beschäftigten, als auch die Arbeitgeber. Besonders effektiv sind körperliche Bewegungsprogramme (6). Mit ihrer Hilfe lassen sich Fehlzeiten, die durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht werden nachweislich senken. Und Muskel-Skelett-Erkrankungen machen mit einem Viertel den größten Teil der Fehlzeiten aus!


Qualifizierte Sportwissenschaftler und Trainer werden auch für Unternehmen immer wichtiger!

Es liegt nicht zuletzt an hochqualifizierten Sportwissenschaftlern und Trainern diese

win-win Situation für Arbeitnehmer und Unternehmen zu schaffen.

Zahlreiche Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, wie z. B. Rückenkurse, Sportgruppen und Firmenläufe sind von qualifizierten Trainer auszuführen. Außerdem sind die Teilschritte der Trainingssteuerung Diagnose, Zielsetzung, Planung Durchführung und Evaluation stehts zu berücksichtigen. Ziellos irgendwelche Maßnahmen umzusetzen wird keine langfristigen Erfolge schaffen!


Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Praxis

In meinem veröffentlichten Fachartikel "Gesundheitsressourcen in Firmen fördern", der im Februar 2017 in der Fachzeitschrift "Leistungslust" erschienen ist, fasste ich drei Tipps für die Praxis zusammen (7):

• Körperliche Bewegungsprogramme in Firmen müssen langfristig und regelmäßig stattfinden, um die Fehlzeiten zu senken.

• Bei körperlichen Übungsprogrammen in Firmen ist es wichtig eine lockere, kommunikative Atmosphäre zu schaffen und auch den Teamgeist der Mitarbeiter zu fördern.

• Die Führungskräfte mit ins Boot holen. Führungskräfte müssen über die Fakten und Themen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gut informiert, persönlich vom Thema angesprochen werden und sich öffentlich zu den Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung im eigenen Betrieb bekennen.


Fitnessprogramm bei Discovery Communications Deutschland

Als Praxisbeispiel möchte ich hier ein Fitnessprogramm erläutern, dass ich bei Discovery Communications Deutschland durchgeführt habe. Neben vielen weiteren Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung hat sich das Unternehmen dafür entschieden wiederkehrende Trainingssessions für ihre Mitarbeiter anzubieten. Der erste Trainingszyklus wurde auf 12 Wochen festgesetzt. Vor Trainingsbeginn habe ich mit allen Mitarbeitern, die bei dem Programm teilnehmen wollten, einen funktionsgymnastischen Krafttest durchgeführt. Dieser diente als Grundlage zur Festlegung messbarer Ziele und als „Baseline“ für die spätere Evaluation.

Anschließend habe ich einen 12-wöchigen Trainingsplan erstellt, der ein gemeinsames, einmal wöchentlich stattfindendes Gruppentraining in den Firmenräumen beinhaltet. Den Schwerpunkt habe ich, aufgrund der Ergebnisse des Krafttests und präventiven Aspekten, auf eine Kraftsteigerung der Rumpfmuskulatur gelegt. In kleinen Gruppen (ca. 10 Personen) wurde 45-60 min. mit dem eigenen Körpergewicht und Kleingeräten Übungen zur Kraftsteigerung durchgeführt. Neben dem Übungsprogramm im Unternehmen habe ich die Teilnehmer dazu angehalten, auch zu Hause nach einem vorgegebenen Trainingsplan zu trainieren. Dazu habe ich eigens angefertigte Trainingshefte mit Übungsanleitungen ausgeteilt.

Nach 12 Wochen Training wurde ein Re-Test durchgeführt. Die Ergebnisse sprechen für sich:

  • Alle Teilnehmer konnten ihre Leistungsfähigkeit steigern.

  • Die durchschnittliche Kraftsteigerung betrug rund 120 %.

  • Das individuell empfundene Wohlbefinden der Mitarbeiter ist gestiegen.



Fazit

Betriebliches Gesundheitsmanagement schafft eine win-win Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sowohl der gesundheitliche als auch der wirtschaftliche Nutzen sind erwiesen. Körperliche Bewegungsprogramme in Firmen verbessern die Gesundheit der Arbeitnehmer, senken die Fehlzeiten und erhöhen die Produktivität.


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Verwendete Literatur

1. Schneider, C. (2012). Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Bern: Hans Huber

2. Techniker Krankenkasse (2016). Gesundheitsreport 2016-Veröffentlichungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement der TK. Hamburg.

3. BKK Dachverband e. V. (2015). BKK Gesundheitsreport 2015. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

4. Chapman (2012). Meta-Evaluation of Worksite Health Promotion Economic Return Studies: 2012 Update. The Art of Health Promotion. März/April: 1-11

5. iga.report 28 (2015). Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Prävention

6. Kramer, I., Sockoll I. & Bödeker W. (2009). Die Evidenzbasis für betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention-Eine Synopse des wissenschaftlichen Kenntnisstandes. In Badura B., Schröder H. & Vetter C. (Hrsg.). Fehlzeiten-Report 2008. (S. 65-75). Heidelberg: Springer Medizin

7. Kuhn, T. (2017) Gesundheitsressourcen in Firmen fördern. Leistungslust. Ausgabe Februar 2017

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