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  • Tobias Kuhn

Grenzerfahrung Megamarsch



Vom 11.05.2019 auf den 12.05.2019 haben wir uns als fünfer Gruppe auf den Weg von München nach Mittenwald gemacht. Das Ziel war klar: 100 km zu Fuß in 24 Stunden bewältigen. Zum Großteil ging es dabei über den Jakobsweg Isar-Loisach-Leutascher Ache-Inn. Zusammen mit 3.000 Startern haben wir uns hochmotoviert auf den Weg gemacht. Entgegen den Prognosen waren die Wetterverhältnisse am Anfang noch bestens. Die Laune war entsprechend gut und die ersten Kilometer sind schnell vergangen. Während dem Gehen konnte man sich gut unterhalten und ist auch mit vielen Mitstreitern ins Gespräch gekommen. Als die Sonne unterging und das Wetter umschlug war allerdings Schluss mit lustig, denn ab diesem Zeitpunkt hat es nicht mehr aufgehört zu regnen. Innerhalb einer Stunde waren sowohl die Schuhe als auch die Socken komplett durchnässt. Selbst die Regenjacken und Regenhosen konnten dem Dauerregen irgendwann nicht mehr standhalten. An den Füßen haben sich die ersten Blasen gebildet und die Muskulatur hat sich mit jedem Schritt mehr verkrampft. Das Teilnehmerfeld wurde von Kilometer zu Kilometer immer kleiner. Die ganze Strecke hindurch haben sich völlig erschöpfte Starter von ihren Helfern abholen lassen oder den Shuttle-Service in Anspruch genommen. Bis zur dritten Verpflegungsstation bei Kilometer 71 hat sich leider unsere Gruppe auf meine Freundin und mich verkleinert. Bei diesem Punkt haben wir auch kurz ans Aufhören gedacht, dann aber entschieden, dass wir die 100 km bis Mittenwald durchziehen. Leider war inzwischen selbst unsere Ersatzkleidung im Rucksack nass geworden, sodass wir nun mit komplett nasser Kleidung weiter gehen mussten. Die ersten Schritte nach der kurzen Pause waren eine echte Qual. Alles tat weh und wir haben extrem gefroren. Außerdem hatten wir im Kopf, dass uns zwischen km 71-81 ca. 800 Höhenmeter bevorstehen.


Ein Hoch zum richtigen Zeitpunkt

Doch entgegen aller Befürchtungen, war dieser Anstieg genau das richtige für meine verspannten Muskeln und meinen frierenden Körper. Mir wurde wieder warm und meine Muskeln lockerten sich sogar etwas. So konnte ich auch mental neue Kraft schöpfen und ich war wieder sehr positiv gestimmt. Bei der letzten Verpflegungsstation bei 81 km war für mich ganz klar, dass wir es jetzt auch noch bis in Ziel schaffen. Wir sind schon 19 Stunden gegangen und hatten noch ca. 4 Stunden vor uns. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich einfach logisch, dass wir dieses „kurze Stück“ auch noch packen.


Viele Tiefs bis zum Ende

Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass diese letzten 20 km alles von uns abverlangen sollten und wir über unsere Grenzen gehen mussten. Den ganzen Marsch über haben sich Hochs und Tiefs abgewechselt. Mal fühlt man sich mental und körperlich fit und im nächsten Moment fällt man in ein tiefes Loch. Bei unseren Trainingsmärschen haben wir gelernt einfach durch diese Tiefs hindurch zu gehen und auf das nächste Hoch zu warten. Bei den letzten 20 km gab es allerdings kaum noch Hochphasen für uns. Der Weg nahm einfach kein Ende und es war eine echte Qual. Meine Freundin hatte inzwischen mehrere große Blasen an den Füßen und konnte kaum noch gehen. Zur Entlastung habe ich ihr dann den Rucksack abgenommen. Fast jeder Mitstreiter, den wir auf den letzten Kilometern getroffen haben war am Ende seiner Kräfte. Mit manchen konnte man sich noch kurz unterhalten und versuchen sich gegenseitig zu motivieren und andere wollten einfach nur noch an Ziel kommen und gar nicht mehr reden. Die letzte Gehstunde vor dem Ziel wusste ich kaum noch, wie ich die zwei Rucksäcke tragen sollte. Inzwischen waren nicht nur meine Beine, sondern auch der Nacken zu einem Problem geworden. Außerdem machte mir die extreme Kälte und Nässe zu schaffen. Doch Aufgeben war keine Option.



Die Zielgerade

Endlich kam das Ortschild „Mittenwald“. Eine Markierung zeigte uns, dass es jetzt nur noch 2 km bis zum Ziel sind. Hinter jeder Kurve haben wir den Zieleinlauf erwartet und Ausschau nach dem Torbogen gehalten. Nach einer weiteren, gefühlten, Ewigkeit war endlich das Ziel in Sicht. Völlig erschöpft und durchgefroren überquerten wir die Ziellinie. Wir bekamen unsere Medaille und waren glücklich alle Widerstände überwunden zu haben. Wir sind zu Fuß über 100 km in 24 Stunden bei 5 °C und Dauerregen gegangen. Eine unglaubliche Erfahrung, die mir wieder gezeigt hat:

Grenzen, die du dir setzt, existieren nur in deinem Kopf!



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