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Krafttraining bei Osteoporose



Die Sporttherapie ist eine wesentliche Säule in der Behandlung der Osteoporose (1). Im Hinblick auf die Knochenfestigkeit und die Bewegungssicherheit ist ein Krafttraining mit Osteoporosepatienten von großer Bedeutung. Für die Ausarbeitung eines geeigneten Trainingsprogramms ist ein umfangreiches Hintergrundwissen zur Erkrankung und sportwissenschaftliche Erkenntnisse nötig. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Leistungslust" habe ich darüber einen Artikel veröffentlicht. Die wichtigsten Inhalte stelle ich euch gerne in diesem Blogbeitrag vor.


Die Erkrankung

Osteoporose ist eine Krankheit, bei der der Knochen an Festigkeit verliert. Diese systemische Skeletterkrankung ist gekennzeichnet durch eine Reduktion der Knochenmasse und Störung der Mikroarchitektur des Knochengewebes mit erhöhtem Frakturrisiko (2). Die erhöhte Frakturgefahr bedeutet für die betroffenen Osteoporose Patienten häufig eine erhebliche Einschränkung an der Teilhabe am Alltagsleben. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen, steigt auch die seelische Belastung mit der Diagnose an. Besonders nach dem ersten Bruch wächst bei Patienten häufig das Gefühl von Unsicherheit. Doch Osteoporose lässt sich Behandeln. Bei Knochen handelt es sich keinesfalls um inaktives, lebloses Material. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Knochen passen sich, ähnlich wie auch Muskeln, Belastungen an. Bei fehlenden Belastungsreizen verlieren Knochen an Stabilität, bei richtiger Belastung gewinnen sie an Festigkeit. Daher gilt körperliches Training mit entsprechenden Belastungsreizen als ein entscheidender Baustein in der Osteoporosetherapie.


Sporttherapie

Viele Studien bestätigen, dass bei Patienten mit Osteoporose die körperliche Aktivität im Hinblick auf den Knochenstoffwechsel und Knochenbrüche von großer Bedeutung ist (3, 4, 5). Beispielsweise untersuchte 2006 eine Studie an 69 osteopenischen, postmenopausalen Frauen die Effekte verschiedener Trainingsprogramme auf Knochen, Muskelkraft, dynamische Leistungsfähigkeit sowie Befindlichkeit (2). Alle Frauen nahmen zweimal pro Woche an einer angeleiteten Wirbelsäulengymnastik teil. Zusätzlich führten 26 Frauen 2x/Woche ein konventionelles Krafttraining bei 60-80% des Einwiederholungsmaximums (1RM) und 23 Frauen ein Krafttraining mit vibrierenden Trainingsgeräten 2x/Woche durch. 20 Frauen betrieben nur Wirbelsäulengymnastik. Die Studienergebnisse zeigen, dass eine systematische Wirbelsäulengymnastik bereits Wohlbefinden und Kraft deutlich verbessern kann und damit einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und die Reduzierung des Sturzrisikos hat. Das konventionelle Krafttraining bewirkt neben deutlichen Kraftgewinnen zusätzlich Verbesserungen der Knochengeometrie. Bei 19 von 20 Frauen dieser Gruppe war eine Zunahme der Knochenfläche am Oberschenkelhals zu beobachten. Unter Berücksichtigung von physikalischen Gesetzmäßigkeiten und den Ergebnissen anderer Studien kann ein Festigkeitsgewinn vermutet werden (2).

Eine gezielte Sporttherapie bei Osteoporose ist über zwei Wege wirksam: zum einen stimuliert muskuläres Training den Knochenstoffwechsel und dient somit dem Erhalt von Knochenmasse, zum anderen fördert es die Bewegungssicherheit und trägt damit zur Vermeidung von Stürzen und sturzbedingten Frakturen bei (1). Ein Training der Muskelkraft und Muskelkoordination ist deshalb von großem Wert für Osteoporosepatienten.


Belastungsgestaltung für ein Krafttraining bei Osteoporose

Während es in jungen Jahren wichtig ist, die Stabilität der Knochen durch Krafttrainingsreize aufzubauen und zu steigern, kann man einem möglichen Knochenabbau im Alter durch gezieltes Training entgegenwirken. Die Trainingsbelastung muss sich dann nach dem Schweregrad der Osteoporose richten. Während bei einem leichteren Schweregrad ein Krafttraining mit hohen Intensitäten durchgeführt werden kann sind bei höheren Schweregraden vor allem koordinative Übungen zu absolvieren. Genauere Angaben, sowie konkrete Trainingsempfehlungen finden sich in meinem veröffentlichten Fachartikel in der Leistungslust (6).


Fazit

Die Sporttherapie gilt als eine wesentliche Säule in der Behandlung der Osteoporose (1). Muskuläres Training stimuliert zum einen den Knochenstoffwechsel und zum anderen fördert es die Bewegungssicherheit. Trainingsprogramme bei Osteoporose müssen immer den Schweregrad der Erkrankung berücksichtigen und entsprechend professionell ausgearbeitet und individuell auf den Patienten angepasst werden.


Quellen:

1. Begerow, B., Pfeifer, M. & Minne, HW. (2004). Sport und Bewegungstherapie in der Rehabilitation der Osteoporose. Teil II: Bewegung und Therapie. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Jahrgang 55, Nr. 11. S. 301-302

2. Siegrist, M., Lammel C. & Jeschke, D. (2006). Krafttraining an konventionellen bzw. oszillierenden Geräten und Wirbelsäulengymnastik in der Prävention der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Jahrgang 57, Nr. 7/8, S. 182-188.

3. Franck, H. & Hohmann W. (2001). Verbesserung der Funktionskapazität, der Schmerzhaftigkeit und der Leistungsfähigkeit bei Patienten mit Osteoporose durch ein spezielles Sportrehabilitationstraining. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin. Jahrgang 52, Nr. 2. S. 63-67

4. Dalsky GP, K Stroke, AA Ehsani, E Slatopolsky, CL Waldon, JB Stanlexy. (1988). Weight bearing exercise training and lumbar bone mineral content in postmenopausal women. Ann Intern Med 108, S. 824-828

5. Snow-Harter C, R Marcus. (1991). Exercise, bone mineral density and osteoporosis. Exerc Sport Sci Rev 19, S. 351-388.

6. Kuhn, T. (2019). Krafttraining bei Osteoporose. Leistungslust. Ausgabe Oktober. S. 32-35


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